Mediterrane Ernährung und Herzgesundheit bei Frauen: Was zeigen Studien?

Eine 2023 in der Fachzeitschrift Heart veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse wertete 16 prospektive Kohortenstudien mit insgesamt 722.495 Frauen aus. Eine höhere Adhärenz an eine mediterrane Ernährung war dabei mit einer niedrigeren Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, koronarer Herzkrankheit und Gesamtsterblichkeit assoziiert. Konkret lag die Hazard Ratio für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei 0,76 – also 24 Prozent niedriger als bei geringerer Adhärenz.

Randomisierte Daten aus der PREDIMED-Studie ergänzen das Bild: Bei Menschen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko war eine mediterrane Ernährung mit Olivenöl oder Nüssen mit einer niedrigeren Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse verbunden als eine fettärmere Kontrollernährung.

Inhaltsverzeichnis

 1) Wie stark ist der Zusammenhang zwischen mediterraner Ernährung und Herzgesundheit bei Frauen?

2) Welche Frauen wurden in den Studien untersucht? 

3) Was gehört in Studien zur mediterranen Ernährung?

4) Was zeigen randomisierte Studien bei erhöhtem Risiko?

5) Welche Rolle spielen Olivenöl und Nüsse?

6) Was zeigen Daten bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung?

7) Was lässt sich daraus für den Alltag ableiten?

7) Welche Grenzen haben die Studien?

8) FAQ

 

Wie stark ist der Zusammenhang zwischen mediterraner Ernährung und Herzgesundheit bei Frauen?

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, die 2023 in Heart erschien, fasste 16 prospektive Kohortenstudien mit 722.495 Frauen zusammen. Frauen mit höherer Adhärenz an eine mediterrane Ernährung hatten eine niedrigere Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, koronarer Herzkrankheit und Gesamtsterblichkeit als Frauen mit geringerer Adhärenz.

Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen lag die gepoolte Hazard Ratio bei 0,76 (95-%-Konfidenzintervall: 0,72–0,81). Für koronare Herzkrankheit lag sie bei 0,75 (0,65–0,87), für Gesamtsterblichkeit bei 0,77 (0,74–0,80).

Untersuchte Endpunkte

Ergebnis bei höherer mediterraner Ernährungstreue

Einordnung

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

HR 0,76 (95-%-KI 0,72–0,81)

24 Prozent niedrigere Rate in den beobachteten Kohorten

Koronare Herzkrankheit

HR 0,75 (95-%-KI 0,65–0,87)

25 Prozent niedrigere Rate in den beobachteten Kohorten

Gesamtsterblichkeit

HR 0,77 (95-%-KI 0,74–0,80)

23 Prozent niedrigere Rate in den beobachteten Kohorten

Schlaganfall

HR 0,87 (95-%-KI 0,76–1,01)

Günstiger Trend, statistisch nicht eindeutig


Quelle: Pant et al. (2023).

Diese Meta-Analyse basiert auf prospektiven Beobachtungsstudien. Sie zeigt daher einen robusten Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und gesundheitlichen Ereignissen, beweist aber nicht, dass die Ernährung allein jede beobachtete Differenz verursacht.

Welche Frauen wurden in den Studien untersucht?

Die Studienlage umfasst Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen und mit unterschiedlichen Risikoprofilen.

Die Nurses’ Health Study begleitete 74.886 Frauen im Alter von 38 bis 63 Jahren, die zu Beginn weder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung noch Diabetes hatten. Über 20 Jahre wurden 2.391 Fälle koronarer Herzkrankheit, 1.763 Schlaganfälle und 1.077 kardiovaskuläre Todesfälle dokumentiert.

In dieser Kohorte war die höchste im Vergleich zur niedrigsten Kategorie des Alternate Mediterranean Diet Score mit einer niedrigeren Rate koronarer Herzkrankheit verbunden: RR 0,71 (95-%-KI 0,62–0,82). Für kardiovaskuläre Sterblichkeit lag die relative Rate bei 0,61 (0,49–0,76); beim Schlaganfall bei 0,87 (0,73–1,02).

Eine weitere US-Kohortenstudie untersuchte 25.315 zu Beginn gesunde Frauen über rund 25 Jahre. Eine höhere mediterrane Ernährungstreue war in dieser Studie mit einer um 23 Prozent niedrigeren Gesamtsterblichkeit assoziiert.

Was gehört in Studien zur mediterranen Ernährung?

Mediterrane Ernährung ist kein einzelnes Lebensmittel und keine starre Diät. In den Studien beschreibt sie ein Ernährungsmuster mit einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel, Olivenöl als wichtiger Fettquelle und einer insgesamt geringeren Bedeutung von rotem sowie verarbeitetem Fleisch.

In PREDIMED umfasste das mediterrane Muster vor allem Olivenöl, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch und Meeresfrüchte. Gleichzeitig sollten rotes und verarbeitetes Fleisch, industriell hergestelltes Gebäck sowie streichfähige Fette seltener gegessen werden.

Lebensmittelgruppe

Typische Rolle im mediterranen Muster

Gemüse und Obst

Häufige, pflanzliche Basis der Mahlzeiten

Hülsenfrüchte und Vollkorn

Regelmäßige Energie- und Ballaststoffquellen

Nüsse

Regelmäßiger Bestandteil, etwa als Snack oder Mahlzeitenzutat

Olivenöl

Zentrale Fettquelle für kalte und warme Küche

Fisch und Meeresfrüchte

Gute Proteinquelle

Rotes und verarbeitetes Fleisch

Eher seltener Bestandteil

Stark verarbeitete Produkte

Weniger häufig vorgesehen


Orientierung an der Interventionsbeschreibung der PREDIMED-Studie.

Der Nutzen in den Studien wird nicht einem einzelnen Produkt zugeschrieben. Entscheidend ist das gesamte Ernährungsmuster und die langfristige Adhärenz daran.

Was zeigen randomisierte Studien bei erhöhtem Risiko?

In der PREDIMED-Studie wurde untersucht, ob eine mediterrane Ernährung bei Menschen mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko einen Unterschied macht. Teilgenommen haben 7.447 Frauen und Männer zwischen 55 und 80 Jahren, die zu Beginn noch keinen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine andere bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten. 57 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen.

Die Teilnehmenden wurden in drei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe ernährte sich mediterran und nutzte zusätzlich extra natives Olivenöl, eine zweite folgte einer mediterranen Ernährung mit Nüssen. Die Vergleichsgruppe erhielt Empfehlungen für eine fettärmere Ernährung.

Nach knapp fünf Jahren traten in beiden mediterranen Gruppen seltener schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse auf. Dazu zählten Herzinfarkt, Schlaganfall oder ein Tod durch eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Im Vergleich zur Kontrollgruppe lag die Ereignisrate in der Olivenöl-Gruppe um rund 31 Prozent und in der Nuss-Gruppe um rund 28 Prozent niedriger.

Die Studie zeigt damit: Bei älteren Menschen mit erhöhtem Risiko war eine mediterrane Ernährung mit Olivenöl oder Nüssen einer fettärmeren Vergleichsernährung überlegen. Da Männer und Frauen gemeinsam untersucht wurden, lässt sich daraus aber kein ausschließlich weiblicher Effekt ableiten.

Welche Rolle spielen Olivenöl und Nüsse?

Olivenöl und Nüsse waren in PREDIMED nicht nur Bestandteile eines Fragebogens, sondern gezielt eingesetzte Elemente der Ernährungsintervention. Die Interventionsgruppen erhielten entweder extra natives Olivenöl oder täglich eine Nussmischung zusätzlich zur Beratung für eine mediterrane Ernährung.

Die Ergebnisse der Studie lassen sich jedoch nicht auf ein einzelnes Lebensmittel reduzieren. Olivenöl und Nüsse wurden im Rahmen eines umfassenden Ernährungsmusters getestet, das zugleich mehr pflanzliche Lebensmittel und weniger stark verarbeitete oder fleischbetonte Produkte vorsah.

Für die Praxis ist deshalb die sinnvollere Frage nicht „Wie viel Olivenöl braucht das Herz?“, sondern: Wie lässt sich ein insgesamt pflanzenbetontes, wenig verarbeitetes Essmuster dauerhaft umsetzen?

Was zeigen Daten bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung?

Auch bei Menschen, die bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten, gibt es passende Daten zur mediterranen Ernährung. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 fasste 13 Langzeitstudien mit insgesamt 54.034 Patientinnen und Patienten zusammen. Die Teilnehmenden wurden je nach Studie zwei bis zehn Jahre begleitet.

Menschen, die sich stärker mediterran ernährten, hatten in diesen Studien eine um 26 Prozent niedrigere Gesamtsterblichkeit. Auch Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren um 16 Prozent seltener. Wiederkehrende Herz-Kreislauf-Ereignisse – etwa ein weiterer Herzinfarkt oder Schlaganfall – traten um 40 Prozent seltener auf.

Wichtig: Die ausgewerteten Studien beobachteten, wie Menschen im Alltag essen. Sie können deshalb einen starken Zusammenhang zeigen, aber nicht sicher beweisen, dass die Ernährung allein für den Unterschied verantwortlich ist.

Was lässt sich daraus für den Alltag ableiten?

Die Studien unterstützen vor allem ein Muster, nicht Perfektion. Eine mediterran geprägte Ernährung stellt Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse und Olivenöl regelmäßig in den Mittelpunkt und ergänzt diese durch Fisch sowie weniger stark verarbeitete Produkte.

Praktisch kann das bedeuten:

·       Gemüse oder Salat zu den meisten Hauptmahlzeiten einplanen

·       Hülsenfrüchte regelmäßig als Basis für Mahlzeiten nutzen

·       Olivenöl häufiger als Standardfett in der Küche einsetzen

·       Nüsse als festen Bestandteil der Woche einplanen

·       Fisch regelmäßig wählen

·       Rotes und verarbeitetes Fleisch sowie stark verarbeitete Produkte nicht zur täglichen Grundlage machen

Diese Schritte entsprechen den Merkmalen der Ernährungsmuster, die in den Studien untersucht wurden. Sie ersetzen keine individuelle medizinische Beratung und erlauben keine Vorhersage für einzelne Personen.

Welche Grenzen haben die Studien?

Ein großer Teil der Frauen-spezifischen Evidenz stammt aus Beobachtungsstudien. Auch bei sorgfältiger statistischer Anpassung können sich Frauen mit hoher mediterraner Ernährungstreue in weiteren gesundheitsrelevanten Merkmalen unterscheiden, etwa bei Bewegung, Rauchen, Bildung oder Zugang zu medizinischer Versorgung.

Ernährungsdaten beruhen zudem häufig auf Fragebögen. Diese erfassen Ernährungsgewohnheiten über längere Zeiträume, können aber nicht jede Portion und jede Veränderung im Alltag präzise abbilden.

Bei PREDIMED wurde die ursprüngliche Veröffentlichung 2018 nach festgestellten Abweichungen im Randomisierungsprotokoll zurückgezogen und unmittelbar mit einer überarbeiteten Analyse neu veröffentlicht. Für einen wissenschaftlich sauberen Beitrag sollte daher immer die republizierte Fassung von 2018 zitiert werden.

FAQ

Senkt mediterrane Ernährung das Herz-Kreislauf-Risiko bei Frauen?

Eine Meta-Analyse von 16 prospektiven Kohortenstudien mit 722.495 Frauen zeigte, dass höhere mediterrane Ernährungstreue mit einer niedrigeren Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert war. Die gepoolte Hazard Ratio betrug 0,76; die Daten zeigen eine Assoziation, keine individuelle Garantie.

Was bedeutet „höhere mediterrane Ernährungstreue“?

In den Studien bedeutet das meist, dass Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse und Olivenöl häufiger gegessen werden. Fisch ist regelmäßig vorgesehen, während rotes und verarbeitetes Fleisch sowie stark verarbeitete Produkte eine geringere Rolle spielen.

Ist die mediterrane Ernährung bei familiärer Vorbelastung untersucht?

Die PREDIMED-Studie schloss Menschen mit hohem kardiovaskulärem Risiko ein; eine familiäre Belastung für vorzeitige koronare Herzkrankheit gehörte zu den berücksichtigten Risikofaktoren. Die Studie war jedoch nicht ausschließlich auf Menschen mit familiärer Vorbelastung ausgerichtet.

Ist Olivenöl allein für den Effekt verantwortlich?

Das lässt sich aus den Studien nicht ableiten. In PREDIMED war Olivenöl Teil eines mediterranen Gesamtmusters; daher kann der beobachtete Unterschied nicht zuverlässig einem einzelnen Lebensmittel zugeschrieben werden.

Gibt es Daten für Menschen mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung?

Ja. Eine Meta-Analyse von 2026 bei Menschen mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung zeigte bei höherer mediterraner Ernährungstreue niedrigere Raten für Gesamtsterblichkeit, kardiovaskuläre Sterblichkeit und wiederkehrende Ereignisse. Die eingeschlossenen Studien waren überwiegend Beobachtungsstudien.

Quellen

Ahmad, S., Moorthy, M. V., Lee, I.-M., et al. (2024). Mediterranean diet adherence and risk of all-cause mortality in women. JAMA Network Open, 7(5), e2414322. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2024.14322[6]

Estruch, R., Ros, E., Salas-Salvadó, J., et al. (2018). Primary prevention of cardiovascular disease with a Mediterranean diet supplemented with extra-virgin olive oil or nuts. The New England Journal of Medicine, 378(25), e34. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1800389[4][3]

Fung, T. T., Rexrode, K. M., Mantzoros, C. S., Manson, J. E., Willett, W. C., & Hu, F. B. (2009). Mediterranean diet and incidence of and mortality from coronary heart disease and stroke in women. Circulation, 119(8), 1093–1100. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.108.816736[5]

Gitsi, E., Anastasiou, C., Yannakoulia, M., Vlachopoulos, C., Marques-Vidal, P., Estruch, R., & Panagiotakos, D. (2026). The role of the Mediterranean diet in secondary cardiovascular disease prevention: A systematic review and meta-analysis of cohort studies. Nutrition, Metabolism and Cardiovascular Diseases. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.numecd.2026.104854[9]

Pant, A., Gribbin, S., McIntyre, D., et al. (2023). Primary prevention of cardiovascular disease in women with a Mediterranean diet: Systematic review and meta-analysis. Heart, 109(16), 1208–1215. https://doi.org/10.1136/heartjnl-2022-321930[2][1]

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder individuellen Ernährungseinschränkungen sollte eine Ernährungsumstellung ärztlich oder ernährungsmedizinisch besprochen werden.