Frauenherzen schlagen anders: Herzinfarkt bei Frauen

Frauenherzen schlagen anders

Ein Herzinfarkt zeigt sich bei Frauen oft anders als bei Männern. Die Beschwerden sind häufig weniger eindeutig, werden später erkannt und seltener sofort behandelt. Das kostet wertvolle Zeit. Wer die Unterschiede kennt, reagiert schneller.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen in Deutschland. Jedes Jahr sterben knapp 19.000 Frauen an einem Herzinfarkt (Herzstiftung). Der Herzinfarkt gilt trotzdem noch immer als Männerkrankheit, auch bei vielen Ärztinnen und Ärzten. Genau diese Fehleinschätzung ist gefährlich.

Warum das Risiko erst später steigt

Vor den Wechseljahren sind Frauen relativ gut geschützt. Die weiblichen Geschlechtshormone, vor allem Östrogen, wirken erweiternd auf die Blutgefäße und bremsen Ablagerungen. Mit der Menopause sinkt dieser Schutz. Die meisten Frauen erleiden einen Herzinfarkt etwa zehn Jahre später als Männer, oft rund zehn Jahre nach der Menopause. Jüngere Frauen sind aber nicht sicher: Vor allem Raucherinnen und Frauen mit familiärer Vorbelastung tragen ein erhöhtes Risiko. Kombinierte Hormonpräparate zur Verhütung können das Thromboserisiko zusätzlich leicht erhöhen.

Die Symptome sind oft weniger eindeutig

Der klassische starke Brustschmerz, der in den linken Arm ausstrahlt, steht bei Frauen seltener im Vordergrund. Häufiger berichten sie von einem Druck- oder Engegefühl in der Brust. Dazu kommen Beschwerden, die leicht fehlgedeutet werden:

  • Atemnot ohne erkennbare Anstrengung
  • Übelkeit, Erbrechen oder Schmerzen im Oberbauch, oft als Magenverstimmung abgetan
  • Schmerzen im Rücken, Nacken, Kiefer oder in den Schultern
  • ungewöhnliche Müdigkeit und Schwäche
  • Schweißausbruch, Schwindel oder ein Gefühl von Angst

Wichtig zur Einordnung: Frauen können auch die typischen Symptome zeigen, und ein Teil der unspezifischen Beschwerden ist ein Alterseffekt, der bei Männern über 65 ebenfalls auftritt (MEDEA-Studie der Herzstiftung). Die Faustregel bleibt: Treten Beschwerden in einem nie zuvor erlebten Ausmaß auf, zählt jede Minute.

Warnzeichen oft schon Wochen vorher

Ein Herzinfarkt kommt selten aus heiterem Himmel. Vorboten können sich Tage bis Wochen vorher zeigen. In einer US-Studie mit 515 betroffenen Frauen berichteten 95 Prozent von Warnzeichen im Vorfeld (McSweeney et al., Circulation 2003). Am häufigsten war ungewöhnliche Müdigkeit mit rund 71 Prozent, gefolgt von Schlafstörungen und Atemnot. Nur etwa 30 Prozent nannten Brustbeschwerden als frühes Zeichen. Beim akuten Infarkt fehlte bei 43 Prozent der Frauen der Brustschmerz ganz. Die Studie ist älter und die Teilnehmerinnen waren überwiegend weiß, die Kernaussage deckt sich aber mit späteren Daten.

Jede Minute zählt, und Frauen zögern oft länger

Die weniger klaren Symptome haben Folgen. Bei Frauen über 65 vergehen im Schnitt über viereinhalb Stunden vom ersten Symptom bis zur Notaufnahme, bei Männern gleichen Alters etwa dreieinhalb Stunden (MEDEA-Studie). Die Gründe liegen auch im Verhalten: Viele denken an eine harmlose Magenverstimmung, wollen keine Umstände machen oder leben allein. Hinzu kommt, dass auch Fachpersonal die Beschwerden seltener dem Herzen zuordnet, wenn sie untypisch sind.

Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt gilt deshalb: sofort den Notruf 112 wählen. Nicht selbst fahren, nicht abwarten, und den Verdacht auf einen Herzinfarkt klar aussprechen.

Was Frauen für ihr Herz tun können

  • Die weiblichen Warnzeichen kennen und ernst nehmen, auch die unspezifischen.
  • Bei plötzlichen, ungewohnten Beschwerden nicht zögern, sondern die 112 rufen.
  • Die eigenen Werte kennen: Blutdruck, Blutfette und Blutzucker regelmäßig prüfen lassen.
  • Risikofaktoren im Blick behalten, besonders Rauchen, familiäre Vorbelastung und die Zeit nach der Menopause.

Die Grundlagen eines herzgesunden Lebens gelten für Frauen wie Männer. Welche acht Faktoren dazugehören, lesen Sie in unserem Beitrag Die 8 Faktoren für ein gesundes Herz.

Einordnung

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die Inhalte werden sorgfältig recherchiert und mit Quellen belegt. Bei gesundheitlichen Fragen oder erhöhten Werten wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt wählen Sie sofort den Notruf 112. Trotz sorgfältiger Erstellung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität. Maßgeblich ist stets die individuelle ärztliche Beurteilung.

Quellen:

  1. Deutsche Herzstiftung e. V. "Herzinfarkt bei Frauen: Symptome, die Sie kennen sollten." Abgerufen am 14.7.2026, von https://herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzinfarkt/anzeichen/herzinfarkt-frauen-symptome
  2. McSweeney JC, Cody M, O'Sullivan P, Elberson K, Moser DK, Garvin BJ. "Women's Early Warning Symptoms of Acute Myocardial Infarction." Circulation 2003;108(21), 2619-2623.
  3. American Heart Association (Go Red for Women). "Symptoms of a Heart Attack in Women." Abgerufen am 14.7.2026, von https://www.goredforwomen.org/en/about-heart-disease-in-women/signs-and-symptoms-in-women/symptoms-of-a-heart-attack